Die
Geschichte Jamaikas
Als Christoph Kolumbus auf
seiner zweiten Reise in die neue Welt am 5. Mai 1494 Jamaika entdeckte,
lebten die ARUAK - INDIANER auf der Insel. Die Aruaks kamen mit Einbäumen
aus Guyana bzw. Venezuela und besiedelten Jamaika wahrscheinlich in zwei
Wellen: die erste erfolgte um 650 n. Chr., die zweite zwischen 850 und
900 n. Chr.. Auf der Insel lebten etwa 100 000 Aruak. Da die Aruak ein
Volk von Seefahrern waren und sich überwiegend von Fisch und Meeresfrüchten
ernährten, lagen die meisten Siedlungen an der Küste. Sie backten
Brot aus Maniokmehl nach Rezepten, die sie aus ihrer südamerikanischen
Heimat mitgebracht hatten. Außerdem kultivierten sie Süßkartoffeln,
Obst, Gemüse, Baumwolle und Tabak. Vor allem der Anbau von Baumwolle
wurde gepflegt. Die Frauen verbrachten die meiste Zeit mit Spinnen und
Weben. Später ließen die spanischen Eroberer ihre Segeltücher
auf Jamaika herstellen.
Einige Jahrhunderte später
wurde das friedliche Leben auf Jamaika durch einen anderen Indianerstamm,
durch die wahrscheinlich menschenfressenden Kariben, von denen sich der
Begriff „Kannibale“ ableitet, jäh beendet. Das äußerst
kriegslustige Volk zog mordend und plündernd mit seinen Kanus von
Insel zu Insel. Wären die Spanier nicht gekommen, hätten die
Kariben möglicherweise die Ureinwohner Jamaikas ausgerottet.
Auf seiner zweiten Fahrt
entdeckte Kolumbus Jamaika. Die Indianer auf Kuba hatten ihm von XAYMAKA
(ursprünglicher Name Jamaikas) berichtet, das sie als „das Land des
gesegneten Goldes“ priesen. Am 5. Mai 1494 landete Kolumbus in der St.
Ann‘s Bay. Er meinte, Jamaika sei „die schönste Insel, die je das
Auge erblickte..... Voller Täler, Felder und Ebenen.“ Genau genommen
ist Jamaika aber auch das Land der Berge, die mehr oder weniger die Insel
bedecken. Am eindrucksvollsten sind die Blue Mountains im Osten der Insel.
Ihr höchster Gipfel misst immerhin 2256 Meter! Erst 1510 kamen
die ersten Kolonisten nach Jamaika, die sich an der St. Ann‘s Bay niederließen.
Der Platz in der Nähe von Sümpfen erwies sich jedoch als sehr
ungesund.
Die Siedlung wurde deshalb
verlassen und an der Stelle des heutigen Spanish Town neu aufgebaut. Spanish
Town wurde als sehr schöne Stadt, die aus 400 bis 500 Häusern,
5 oder 6 Kirchen sowie einem Kloster der Franziskanermöche bestand,
beschrieben. Leider steht heute, wegen des sehr schnellen Zerfalles, kein einziges
der spanischen Gebäude mehr. Die Spanier machten die ARUAK zu ihren
Sklaven und behandelten sie so schlecht, dass sie in kurzer Zeit ausgestorben
waren. Aus Europa eingeschleppte Krankheiten, gegen die die Eingeborenen
keinerlei Abwehrkräfte hatten, beschleunigten ihren Untergang.
Als spanische Kolonie zahlte
sich Jamaika nicht aus. In den Anfangsjahren war sie Ausgangsbasis für
die Eroberung Kubas und Teilen des amerikanischen Festlandes. Danach wurde
die Insel zu einem unbedeutenden und vernachlässigten Außenposten.
Die Kolonisten betrieben Landwirtschaft. Sie brachten aus Spanien Zitrusfrüchte;
über Hispaniola importierten sie Bananen und Feigen von den Kanaren.
In den letzten Jahren der
spanischen Besatzung erhielten die Gouverneure von zuhause immer weniger
Unterstützung. Außerdem untergrub der Streit mit der Kirche,
der Papst hatte die westindischen Inseln Portugal und Spanien „zugeteilt“,
was von anderen Staaten (z.B. Frankreich und England) immer mehr angezweifelt
und nicht aktzeptiert wurde, ihre absolute Herrschaft über Jamaika.
Die Angriffe von Piraten auf die Kolonie übten einen weiteren zersetzenden
Einfluss aus.
Am 10. Mai 1655 ging eine
Flotte von 38 englischen Schiffen mit 8000 Mann Besatzung vor Spanish Town
vor Anker. Einige Schüsse genügten, um die spanischen Verteidiger
in die Flucht zu schlagen. Die geschlagenen Spanier ließen ihre Sklaven
frei und bewaffneten diese, damit sie die Insel hätten verteidigen
können. Es kam aber anders, da die freigelassenen Schwarzen und ihre
Nachfahren, die MAROONS, keinem Herren mehr dienen wollten.
Für
die Maroons sind die Berge Jamaikas Sinnbild für die Freiheit. Ihre
undurchdringlichen Wälder und ihr zudem dichtes Buschwerk hatten ihnen
lange Zeit Schutz vor den Verfolgungen durch die Engländer geboten.
Ebenso einige versteckt gelegene Höhlensysteme wie zum Beispiel die
„GREEN GROTTO“.
Wie vorher die ARAWAK verschwanden
nun auch die Spanier von Jamaika. Aus den englischen Soldaten wurden Pflanzer
und Händler; eine Zivilregierung wurde gebildet - das Miltär
spielte keine wichtige Rolle mehr. Die Pflanzer und Landbesitzer brachten
es zu Macht und Reichtum. Die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse
stabilisierten sich in dem Maße, so dass die Zuckerrohrproduktion,
die Viehzucht, der Holzhandel und der Kaffeeanbau zu gewinnbringenden Wirtschaftszweigen
ausgebaut werden konnten. Kingston Town dehnte sich gewaltig aus und wurde
1872 zur Hauptstadt ernannt.
Jamaikas Wirtschaft hat
bis heute unter den Folgen des Kolonialismus zu leiden. Auf den Plantagen
wurden fast ausschließlich Zuckerrohr, später auch Bananen und
Kaffee für Großbritannien angebaut. Die Verbrauchsgüter
für das tägliche Leben wurden von dort importiert.
Eine wichtige Rolle spielte
zu Beginn der Unabhängigkeit auch noch der Handel mit Bauxit, einem
wichtigen Rohmaterial zur Herstellung von Aluminium. Auch heute noch wird
ein Großteil der im Lande benötigten Lebensmittel eingeführt.
Für viele andere Konsum- und Wirtschaftsgüter gilt dasselbe.
Die Erlöse aus den Exporten reichen jedoch längst nicht aus,
um die importierten Güter alle bezahlen zu können. Heute versucht
man die Exportindustrie (Textilien, Aluminiumprodukte, landwirtschaftliche
Produkte) zu stärken. Privates Unternehmertum wird in allen Wirtschaftsbereichen
gefördert. Touristen bringen auch noch Geld ins Land.
Im Zuckerrohranbau wurden
sehr viele Arbeitskräfte benötigt, weshalb der Sklavenhandel
aus Afrika nach den Westindischen Inseln rasch ausgeweitet wurde. Kleinbetriebe
mussten schnell aufgeben, da sie gegen die Großgrundbesitzer
mit deren vielen Sklaven nicht konkurrieren konnten. Jede große Zuckerrohrplantage
auf Jamaika bildet praktisch ein eigenständiges Dorf bestehend aus
Fabrikanlagen, Büros, Werkstätten, Ställen und „Wohnungen“
für die Sklaven. In einigem Abstand bauten die Plantagen-besitzer
ihre Wohnhäuser, die heute noch Aufschluss über den damaligen
Reichtum geben.
Um
1830 kam es zum größten Sklavenaufstand auf Jamaika. Der bekannteste
Anführer SAM SHARPE, wurde in Montego Bay auf dem Marktplatz, heute
SAM SHARPE SQUERE, gehenkt. Das Ende der Sklaverei auf Jamaika war jedoch
eingeläutet. Als Folge der Sklavenemanzipation sank die Zuckerrohrproduktion
stark ab, die Plantagenwirtschaft war tot. Die ehemaligen Sklaven mussten
sich irgendwie durchschlagen. Am Ende des 19. Jahrhunderts und zu Beginn
des 20. Jahrhunderts wurde eine Verwaltungsreform durchgeführt und
das Rechtswesen neu gestaltet.
Im Erziehungswesen, in der
Kranken-Versorgung und bei den Sozialleistungen gab es erhebliche Verbesserungen.
Straßen, Brücken und Eisenbahnlinien wurden gebaut. Der Bananenhandel,
der im 20. Jahrhundert eine Schlüsselstellung in der jamaikanischen
Wirtschaft einnahm, gewann an Bedeutung. Es entstanden erste Gewerkschaften
und politische Parteien. Die Arbeiter wurden zu einer wichtigen Macht.
Das Ergebnis ihrer Forderungen war die Verfassung von 1944, die das allgemeine
Wahlrecht vorsah! Jamaika war auf dem Weg zur politischen Eigenständigkeit.
1959 war Jamaika unabhängig,
nur Verteidigung und internationale Beziehungen blieben Sache der englischen
Krone. Es folgten Jahre des schnellen Fortschritts in der Politik und die
Erschließung natürlicher Ressourcen, vor allem der Abbau von
Bauxit, der Industrialisierung des Landes, der Ausweitung des Tourismus
und zunehmender nationaler Idendität.
Bis
Jamaika 1962 (Unabhängigkeitstag, 6. August 1962) die Unabhängigkeit
erlangte, musste ein langer Weg mit oft blutigen Aufständen zurückgelegt
werden. Die entscheidende Wende hin zu einem nationalen Bewusstsein
leitete die „Zurück-nach-Afrika-Bewegung“ in den 20er Jahren dieses
Jahrhunderts ein, die von den Rastafaris aufgegriffen wurde. Rastafarianismus
ist zugleich eine religiöse und politische Bewegung. Ihr „Sprachrohr“
ist die von ihren Anhängern kreierte Reggae-Musik. In den 70er Jahren
gelang es dem berühmtesten Vertreter dieser Musik, BOB MARLEY, Jamaika
weltweit ins Rampenlicht zu rücken.
Wummernde Bässe, Trommeln
im Herzschlag-Rhythmus - diese Musik geht unmittelbar ins Blut und in die
Beine. Peter Tosh, der mit Bob Marley und Bunny Wailer zu den Stars der
ersten Stunde gehörte, sagte treffend: „Reggae ist nichts, was du
hören kannst, du kannst es nur fühlen“. Entstanden ist diese
Musik in den Ghettos von Kingston, wo jeder um sein Überleben kämpft
- auch heute noch. Sie wurden zur Stimme der ärmsten Jamaikaner. |